Entspannt Euch, Hochbegabten-Eltern!

Anlass dieses Beitrags ist eine Nachricht, die ich von meiner Freundin erhielt. Sie schickte mir die Kopie des Jahreszeugnisses der 5. Klasse eines mir unbekannten Kindes.

Häh? Unter dem Bild (zum Glück hatte meine schlaue Freundin einen Screenshot erstellt) der Text: Total irre!!!Herzlichen Glückwunsch, meine Große!!!

Die Mutter des besagten Kindes hatte doch tatsächlich das – ohne Frage sehr gute – Zeugnis fotografiert, mit diesem Text und diversen Bildchen versehen und als WhatsApp-Status verwendet.

Eine ganz ähnliche Reaktion hatte mir mein Mann aus seinem Facebook-Freundeskreis präsentiert: ein übermäßig begeisterter Vater hatte ebenfalls das tolle 2. Klasse Zeugnis fotografiert, dieses in den allerhöchsten Tönen gelobt und online eingeräumt, dass sein hochbegabter Sproß das nicht von ihm haben könne. Dabei handelt es sich ja in der 2. Klasse nur um Tortendiagramme, aus denen ich noch nie so richtig schlau geworden bin (aber das liegt vielleicht auch an mir) und mir ist, als würde dort für jedes Kind ein motivierender Satz zum Schluss stehen. So funktioniert schließlich das Schulsystem heute.

Vor einiger Zeit las ich einen Aushang beim Bäcker, der mir gar nicht mehr aus dem Kopf geht:

Ist dein Kind zwischen 3 und 5 und ist auch hochbegabt? Wenn das so ist und du möchtest, dass es mit anderen Hochbegabten Kontakt hat, melde dich bei mir, damit wir eine Spielgruppe gründen können. 

Unabhängig davon, dass ich Unwissende glaube, dass man das in dem Alter nicht so genau sagen kann, hoffe ich, keinesfalls hochbegabte Kinder zu haben. Und wenn das Schicksal mich treffen sollte (wovon aktuell nicht auszugehen ist), möchte ich doch bitte, dass meine Kinder mit ganz normalen Kindern spielen. Wobei ich die Hochbegabten nicht ausschließen würde, sie dürften schon mitspielen mit meinem Pack und Gesindel.

Leute: es ist irgendein Zeugnis, zu dem die Kinder heute große Geldgeschenke erhalten. Es ist weder ein Abitur noch ein Hochschulabschluss. Und ich hoffe, dass eure Kinder dann – weil sie es blicken und alt genug sein werden, das selbst zu entscheiden – eine Veröffentlichung jeder Art untersagen.

Zu Informationszwecken und auf Nachfrage habe ich die (ich muss es sagen, sie waren ausgesprochen gut) Zeugnisse meiner Kinder an die Großeltern und die Paten geschickt. Und sogar an den Vater, der sich nicht extra zum Anlass der Zeugnisausgabe der 2. und 5. Klasse frei genommen hatte (Banause!).

Meine Güte – diejenigen, die aus der 5. mit lauter Einsen heraus gehen, werden möglicherweise nicht die größten Wirtschaftsbosse der Zukunft sein! Viele Hürden, wie z. B. Pubertät, Hormone, Liebe, Drogen, Alkohol, schlechte Lehrer, Scheidung der Eltern warten noch auf uns und vor allem auf unsere Kinder. Und bei denen, die die 5. mit einem ganz normalen, ordentlichen Zeugnis abschließen, weiß man ja genauso wenig, was kommen wird.

Ich gebe es zu: bei mir war in der 7. mal die Versetzung gefährdet. UUUHHHH. Trotzdem habe ich ein wirklich repektables Abitur geschafft, einen anständigen Beruf gelernt und finde mich zumindest durchschnittlich intelligent.

Und nach den Ferien gehe ich auf den Dachboden und suche mein Zeugnis aus der 5. (von dem ich wirklich nicht genau weiß, wo ich dieses wichtige Dokument verwahre)! Und dann mache ich daraus für eine Weile das, was meine Mutter NIEMALS getan hätte: einen WhatsApp-Status. Versprochen!

 

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