Elternabend, hurra!

Gestern war Elternabend. Hurra! Mittlerweile ist ja aus dem früheren „Mütterabend“ ein „gemischter Abend“ geworden. In einigen Fällen, trifft der Titel „Elternabend“ deshalb, weil gleich beide Elternteile erscheinen: auch die von mir so geliebten „Doppel-Eltern“ waren natürlich mit von der Partie.

Sehr schlimm ist das, wenn die Eltern sich gerade getrennt haben und dann auch getrennt sitzen. Da weiß jeder sofort, dass die Kommunikation im Moment nicht so gut läuft. Davon hatten wir aber gestern keine.

Dem Elternabend vorausgegangen waren Schlägereien (nicht zwischen den Eltern), große Differenzen zwischen Jungen und Mädchen, Machtkämpfe, das Gefühl der Ungleichbehandlung bei einigen Kindern, einzelne Polizisten-Kinder, die sich verbal und körperlich einmischten und damit alles noch schlimmer machten.

So stark und verschieden die Kinder der Klasse sind, so verschieden sind auch die Eltern. Also die Eltern sind sogar noch viel verschiedener als die Kinder. Noch nie in meinem Leben (und das ist bei 3 Kindern wirklich ungewöhnlich, aber irgendwann ist ja immer das erste Mal) saß ich in einer wiederkehrenden Runde mit so vielen Menschen, die nur eine einzige Gemeinsamkeit haben: Kinder, die die selbe Klasse besuchen. Sonst wirklich gar nichts.

Es sind nur wenige Mädchen in der Klasse, die sich permanent durchsetzen müssen und das auch tun. Und da ich ja in dieser Runde selbst eine Mädchen-Mutter bin, kenne ich immerhin die anderen 7 Mädchen nach Aussehen und Namen (oha!) und weiß, welche Mütter dazu gehören. Die Jungen sind für mich bis auf wenige Ausnahmen eine Soße, die Mütter dazu Bodensatz oder Fettschicht. Es gibt viele, bei denen ich mir nach mittlerweile 3,5 gemeinsamen Jahren nicht merken kann, welche Kinder dazu gehören, geschweige denn, wie die Kinder aussehen. Bei manchen Müttern gar frage ich mich bei jedem Elternabend, ob ich die überhaupt schon jemals gesehen habe. Und wenn ich nachher einkaufen gehe und eine davon träfe, würde ich sie nicht erkennen.

Anwesend waren 3 Mädchen-Doppel-Eltern. Überhaupt ist meine selektive Wahrnehmung, dass die Mädchen-Eltern eher mal Doppel-Eltern sind. Aber da könnte mich die Zukunft noch eines Besseren belehren.

Das sind überwiegend unheimlich tolle, wahnsinnig erfolgreiche Menschen, die trotzdem je 3 Kinder haben, sogar ohne Patchwork. Und die haben ihre Betreuung so gut organisiert, dass die Kinder nicht nur vielfach bis 18.00 h in der Schule sind, sondern dass sie auch noch zusammen auf dem Elternabend erscheinen können. Und weil das alles so gut läuft, machen sie auch regelmäßig Paar-Abende und Paar-Wochenenden. Gerne auch mit anderen unheimlich gut organisierten und unheimlich erfolgreichen Eltern. Und die finden sich (also sich selbst vor allem, dann den Partner, der sich aber auch selbst) richtig toll und erfolgreich und unheimlich strukturiert.

Die wissen auch Bescheid, was in der Schule los ist. Also grundsätzlich, im Großen und Ganzen. Die Noten und so. Viel Zeit zum Reden mit den Kindern haben sie ja nicht. Deshalb sagen sie auch ständig, ihre Kinder würden leider zu Hause so wenig erzählen.

Ich las vorab im der 35. WhatsApp-Mütter-Nerv-Untergruppe:

Wir finden die Situation alles andere als toll, sind aber eigentlich der Meinung, dass eine Klasse und Schule wie unsere auch in der Lage sein sollte, mit solchen Situationen und Problemkindern umzugehen und sie entsprechend aufzufangen. Von der Lehrerin als Pädagogin halten wir sehr viel und sind überzeugt davon, dass sie sich adäquat darum kümmert.

Päng! Problem erfolgreich weg-delegiert. Im Übrigen stand die Kompetenz der Lehrerin nie außer Frage! Das unterstützt meine Theorie, dass sie später mal, wenn doch in der Erziehung etwas schief gelaufen sein sollte, sagen können, dass sie ja gar keine Fehler gemacht haben können. Schließlich waren die Kinder ja immer betreut. Das muss also einer von den 49 Sozialpädagogen gründlich verbockt haben.

Eine andere erfolgreiche Mutter meldete sich ebenfalls vorab schriftlich zu Wort:

Also, wir bitten um ein Gespräch. Mäuschen scheint das Thema sehr zu beschäftigen…! Sie möchte morgens nun nicht einmal in der Pausenhalle warten, bis der Unterricht beginnt! (Einwurf: das möchte kein Kind!) Wenn in der Klassen-Allgemeinheit das Thema nicht mehr besprochen wird, suchen wir als Eltern auf jeden Fall das Gespräch!

Betreffender Vater saß dann da beim Elternabend und sagte: NICHTS. Häh?

Ich sagte zur Lehrerin, dass sie doch erfahren müsse, was bei uns zu Hause  ankommt. Sie müsse doch ein Menge Anrufe bekommen haben. Und sie sagte: „Nein, Sie (also, sie meinte mich) waren die Einzige, die mich einfach angerufen hat.“ Häh? Ich rufe die Lehrerin wirklich so wenig wie möglich an, also ich rufe sie nicht jede Woche mal wegen irgendetwas an. Aber wenn man das Gefühl hat, dass etwas so richtig aus dem Ruder läuft?! Dann darf man das doch! Dann schreibt man doch nicht in die WhatsApp-Gruppe, dass ein Gespräch erforderlich ist, dann SPRICHT man doch!

Eine (Jungen-)Mutter, aufgeregt mit hochrotem Kopf (einer von den ruhigen Jungen, dessen Namen ich nicht behalten kann und der wirklich ganz bestimmt an den Unruhen nicht aktiv beteiligt ist, die Auswirkungen aber bestimmt auch zu spüren bekommt), wollte dringend anmerken, dass die Mädchen in der Klasse aber auch „nicht ohne“ seien und die „Ehre der Jungen mal verteidigen“. Ganz allgemein, aber das müsse mal gesagt werden. Häh?

Themawechsel, ich schweife ab.

Einem (Jungen-)Paar tat ich Unrecht – ich mutmaßte Jungen-Doppel-Eltern. Ich hatte die wieder mal noch nie gesehen und fragte die Mutter neben mir, wessen Eltern das eigentlich seien. Sie guckte mich etwas irritiert an und klärte mich auf, dass es sich nicht um Doppel-Eltern, sondern einfach nur um 2 nebeneinander sitzende Elternteile je eines Jungen handelt. Ups.

Ohne tiefer auf die weiteren Details des sicherlich schweigepflicht-belegten Abends einzugehen, gab es weitere interessante Begebenheiten. Also, die beiden Tierpark-Besuche, bei denen je 2 Mütter teilnehmen können, waren schnell „ausverkauft“ an die Erfolgsverwöhnten, die ich in  Ein Wintermantel für Mutter schon beschrieben hatte.

Es gab kein Murren, dass für 2 Tierpark-Besuche und damit verbundene Unterrichtsmaterialien 35 Euro (je Kind!) und für eine anstehende Klassenfahrt 200 Euro (je Kind!) fällig werden. Alles gut situierte und doppelt erfolgreiche Familien. Allerdings – und das kam mir wieder einmal komisch vor: die Lehrerin hätte gerne noch ein weiteres Buch für den Unterricht, das wir Eltern aber nicht selbst zahlen dürfen, weil das „von der Schule nich gewollt ist“. Von wegen der Kosten und den unterschiedlichen Möglichkeiten, die einer Familie so zur Verfügung stünden. Ergo: Verzicht auf das Buch. Häh?

Eine (Jungen-)Mutter regte sich auf, dass eine Lehrerin den Kindern in den Ferien FREIWILLIGE Aufgaben zur Verfügung stellt. Ihr Sohn würde diese sowieso sofort in der Schule lassen. Sie sei der Meinung, Ferien seien Ferien. Sie (also das Kind wohl nicht, die Mutter!) fühle sich unter Druck gesetzt. Meinerseits: häh?

Ein Doppel-Mädchen-Elternpaar stritt sich nebenbei über einen der angegebenen Termine, den die Lehrerin versehentlich doppelt belegt hatte mit Zoobesuch und Vorlese-Vormittag (und deshalb ändern muss), was der Mann wirklich überhaupt nicht ansatzweise verstanden hat, was beide furchtbar aufregte. Also er über die doppelte Belegung, sie über ihren Mann.

Meine „Lieblings“-Mutter hat einen Jungen, der zu Hause anscheinend ALLES darf und in der Schule ALLES tut. Die Mutter wirkt auf mich immer irgendwie mächtig. Wenn ich die morgens sehe, habe ich immer Angst, dass ich auf mein „Moin“ von ihr „sofort eins in die Fresse kriege“. Echt, vor der habe ich Angst! Aber da ist die Einsicht und der Antrag, positiv auf den Jungen einzuwirken auch sowas von abwegig, dass es gleich niemand versucht.

Ach ich freue mich, wenn die Grundschule vorbei ist. Dann hat man nämlich das Recht, die Mit-Eltern nicht zu kennen und nicht zu wissen, wohin die gehören. Und dann kann man gucken, wen man vielleicht auch dann nett finden würde, wenn die Kinder NICHT in einer Klasse wären oder (das wäre sogar noch viel besser) wen man nett findet, OBWOHL die Kinder nicht nur in einer Klasse sind, sondern sich auch noch regelmäßig gegenseitig verhauen. Wenn man es also schaffen könnte, Kinderprobleme Kinderprobleme sein zu lassen und trotzdem erwachsen miteinander sprechen kann, obwohl die Kinder so Sachen sagen wie: „Der ist so doof – mit der Mutter darfst du nie wieder ein Wort wechseln!“ Wenn da dann eine Mutter dabei wäre (und mir wäre es wirklich nicht wichtig, ob es sich um eine Jungs- oder Mädchen-Mutter handelt), mit der ich die Grabenkämpfe der Kinder einfach ignorieren könnte, auch wenn die Kinder gerade total zerstritten sind und mit der ich einfach unbeirrt ein paar Worte wechseln könnte. Außer natürlich, sie hätte ein Arschloch-Kind – aber die Mütter finde ich normalerweise sowieso nicht nett.

Wir schlossen mit unserer Gemeinsamkeit: alles sind ganz wundervolle Kinder. Gut, zwischendurch hörte es sich anders an. Und wenn ich mir die Eltern angucke, kann ich es auch nicht so richtig glauben. Außer natürlich: meine Tochter – ganz wundervoll, immer! Häh?

An dieser Stelle – political correctness ist ja eine Tugend – weise ich darauf hin, dass mein Text polarisieren könnte, vielleicht etwas böse rüberkommt, der eine oder andere sich ertappt oder beleidigt fühlen könnte. Das ist nicht meine Absicht! Wer sich wieder erkennt, darf darüber nachdenken; wer sich angegriffen fühlt, darf erst recht darüber nachdenken; alle anderen dürfen diesen Unrat einfach an sich vorbei schwimmen lassen.

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