Ein Wintermantel für Mutter

Seit meine Kinder zur Schule gehen – das sind ja nun schon ein paar Jahre – muss ich regelmäßig in der Schule Frondienste leisten (und die Autokorrektur hat tatsächlich Frontdienste daraus gemacht, was der Wahrheit manchmal ziemlich nahe kommt).

Eigentlich muss ich das natürlich nicht. Ich mache das sogar gerne. Die Kinder freuen sich, wenn die eigene Mutter hin und wieder irgendwelche Fahrzeuge ausgibt oder beim Basteln oder Kekse backen hilft. Noch ist das überhaupt nicht peinlich.

So tue ich das also für meine Kinder viel mehr als für die Schule. Und da ich ja nicht berufstätig bin, glauben die berufstätigen Mütter gerne, dass ich das aus Langeweile tue. Davon bin ich sehr weit entfernt. Und zwar deutlich weiter, als dass ich es auch für deren Kinder tue.

Mittlerweile ist das alles per Doodle-Abfrage allerbest organisiert. Überwiegend. Es gibt Mütter, die diese Abfragen nie erhalten. Es gibt Mütter, die diese Abfragen nie ansehen. Es gibt einige, die die Abfragen ansehen und sich dann entweder gar nicht eintragen oder aber das Häkchen bei „ich kann leider an keinem dieser Termine teilnehmen“ setzen.

So kommt es, dass an einer Umfrage, bei der es für ein Schulhalbjahr um 16 Termine geht, bei denen man eine halbe Stunde auf dem Pausenhof steht (und zwar nur dann, wenn es NICHT regnet oder schneit) und Roller oder Liegefahrräder ausgibt 9 von 23 Müttern überhaupt eine Auswahl treffen. Ach ja, im Rahmen der Gleichberechtigung muss ich sagen, dass auch Väter für diese Aufgabe geeignet scheinen. So hatte ich mich im „ersten Rutsch“ für 2 Termine eingetragen. Als Wochen später nochmals eine Erinnerung kam, habe ich weitere 2 Termine übernommen, damit die „aktive Pause“ für unsere Kinder nicht ausfällt.

Im kommenden Halbjahr wird die Klasse unserer mittleren Tochter Schwimmunterricht haben. Das kenne ich schon von der Großen. Dafür muss eine Mutter (oder ein Vater) jede Woche an einem Tag zu einer bestimmten Uhrzeit in diesem Schulhalbjahr die Kinder 1. an der Schule treffen und gucken, ob alle anwesend sind 2. die Kinder zu einem bereitstehenden Bus begleiten 3. im Bus dafür sorgen, dass dieser nicht von den 3. Klässlern zerlegt wird (und das meine ich ernst) und dass diese sich auch nicht gegenseitig zerlegen 4. die Kinder sicher über den Zebrastreifen und zum Schwimmbad führen und an den Bademeister übergeben.

PAUSE

5. die Kinder antreiben, sich zügig anzuziehen 6. den Mädchen helfen, ihre Haare zu föhnen 7. den Kinder verbieten, sich am Kiosk etwas zu kaufen, da die Zeit vor der nächsten Schulstunde extrem knapp bemessen ist 8. den Rückweg in umgekehrter Reihenfolge antreten.

Wer das noch nie gemacht hat, wird sich denken, dass das nicht so schwer sein kann. Wer das schon gemacht hat, wird in Abhängigkeit von der Lebendigkeit der betreffenden Schulklasse fortan in der vorausgehenden Nacht schlecht schlafen. Erfahrungsgemäß sind die Jungen schwerer zu bändigen – bei mir half die ernst gemeinte Drohung, die zwei Querulanten zukünftig an meiner Hand zu führen. Meine Tochter fand mich dieses Mal doch peinlich – aber sie meinte auch, dass die Jungs bei mir noch recht brav waren, weil ich mit Abstand die strengste Schwimm-Mutter sei. Und sie sagte auch, die Jungs-Mütter seien so abgehärtet, dass die ohnehin nichts sagen.

Nun also kommt das wieder auf mich zu. Und wieder werde ich voraussichtlich 2 Schwimm-Termine im Halbjahr übernehmen (und 2 – 4 aktive Pausen). Wobei ich mich schon frage, ob es nicht machbar wäre, einen dieser Termine auch mal zwischen 2 Vorstandssitzungen wahrzunehmen. Aber gut, davon habe ich als gelangweilte Hausfrau natürlich keine Ahnung. Wir werden fürstlich entlohnt für die Schwimmbegleitung – 12,50 Euro gibt es für eine Begleitung. Die werden aber erst ausbezahlt, wenn man mindestens 2 im Halbjahr übernimmt. In meinem Fall (also bei der großen Tochter) traf das ja zu und wurde direkt an die Klassenkasse weitergeleitet.

Beim letzten Elternabend wurde schon angekündigt, dass demnächst die Doodle-Umfrage auf uns zu rollen würde. Alle schauten betreten nach unten. In Anbetracht der Tatsache, dass ich ja im Gegensatz zu vielen anderen Eltern die Kinder durch meine Pausendienste ganz gut kenne, schaute auch ich eher zu Boden. Aber gut – ich stehe das durch. Klar Ehrensache. Langeweile – hinfort!

Kurz danach ging es um einen Theaterbesuch mit der Klasse, bei dem die Lehrerin ankündigte, dass 2 Plätze für Mütter (oder Väter!) frei wären. 5 Hände schnellten in die Höhe. Allesamt von Eltern, die sich ansonsten „enthalten“. Eine der Mütter riss das Wort an sich. Sie würde so gerne mitkommen. Das sei ja ein tolles Erlebnis, und ihr Sohn freue sich, wenn auch seine Mutter einmal dabei wäre. Dafür würde sie sich extra Urlaub nehmen. Ehrensache.

Hausfrauen-Hulk, bleib ruhig! Natürlich, verständlich, für einen Theaterbesuch zusammen mit der Lehrerin und einer weiteren Mutter kann man sich schon mal frei machen. Logisch! Was soll der Blödsinn mit dem Schwimmen und der aktiven Pause? Das bleibt denen vorbehalten, die ohnehin nichts zu tun haben. Ist so eine Art Beschäftigungstherapie. Wenn die erfolgreichen Damen diese niederen Dienste täten, da wären ihre Kinder im Gegensatz zu meinen sicher eher peinlich berührt.

Ich habe mich nicht gemeldet. Später, viel später – davon bin ich überzeugt – wird eine der Weihnachtsmärchen-Mütter sich an mich erinnern, wenn ihre Rente fließt. Dann wird sie sagen: „Komm, du hast immer die Scheiß-Dienste gemacht, während ich für meine Rente gearbeitet habe. Deinetwegen hatten die Kinder Spaß in der Pause und deinetwegen können sie auch schwimmen, du hast mit meinen Kindern Kekse gebacken und Osterkörbchen gebastelt. Dein Wintermantel geht auf meine Kappe!“

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Ein Gedanke zu “Ein Wintermantel für Mutter

  1. Pingback: Elternabend, hurra! | Mutters Sprache

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